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Ein Blick auf das alte Hochland des Mondes

Neben den mit dunklen, glatten Maaren überflossenen Niederungen bietet der Mond dem Betrachter auch zahlreiche zerklüftete und mit Einschlagkratern übersäte (alte) Hochlandgebiete. Das hier gezeigte Bild ist ein Ausschnitt der südwestlichen Mondhemisphäre – nur wenige Tage vor Vollmond aufgenommen. Erst dann liegt diese Region im Bereich der dort aufgehenden Sonne und zeigt durch die Schattenwürfe eine plastische Struktur der Oberfläche. So lassen sich viele Oberflächendetails besser erkennen.

Aus dem am großen Spiegelteleskop der Sternwarte gewonnenen Bild seien einige interessante Krater und Strukturen exemplarisch hervorgehoben:

  • V: Der Krater Vieta ist mit einem Durchmesser von 87 Kilometern der größte der hier dargestellten Einzelobjekte. Er weist keinen sichtbaren Zentralberg auf. Er bietet dem Betrachter jedoch eine detailreiche, terrassierte Kraterinnenwand.
  • C: Oberhalb von Vieta findet sich der 56 Kilometer messende Krater Cavendish, Dessen Wand wird von dem jungen, hellen Krater Cavendish E unterbrochen.
  • RG: Die Rimae de Gasparis ist eine 130 Kilometer lange, nur schwach sichtbare Schlucht, die zwischen den Kratern Liebig (37 Kilometer, rechts oben von RG) und dem lavaüberfluteten Krater Gasparis (30 Kilometer, links unten) verläuft. Solche Grabensystem entstehen zumeist durch einbrechende Lavaröhren im Untergrund.
  • RL: Rechts davon findet sich die viel deutlichere Furche Rupes Liebig. Sie wird auf ihrer 180 Kilometer langen Bahn am Rande des Mare Humorum (MH) nur von kleinen, jungen Krater Liebig F unterbrochen und endet unten im flachen, lavagefüllten Krater Liebig G.
  • RM: Oberhalb davon sehen wir eine weitere markante Mondrille – die Rimae Mersenius mit einer Länge von 230 Kilometern. Sie markiert den Übergang vom alten Hochland in die flacher werdende Ebene Richtung Mare Humorum.
  • M: Das daneben beginnende, alte Hochland wird vom 84 Kilometer großen Krater Mersenius dominiert. Gleichfalls lavaüberflutet, weist er einen interessant gewölbten Kratergrund auf, der mit mehreren kleineren Einschlägen gesprenkelt ist.
  • H: Westlich davon – schon mehr im Schatten liegend – finden wir den 42 Kilometer messenden, recht tiefen Doppel-Krater Henry Freres. In der Mitte des welligen Kraterbodens blitzt die Kraterwand eines zentralen, zweiten Aufschlags gerade hell im aufgehenden Sonnenlicht auf.
  • B: Der 85 Kilometer messende Krater Byrgius weist ebenfalls interessante Einzelstrukturen auf. Seine östliche Flanke wird von Byrgius A durchbrochen. Bei Vollmond wird hierum Strahlensystem sichtbar, wie es viele, besonders junge Krater aufweisen. Unweit der westlichen Flanke sehen wir den größeren Krater Byrgius D. Der südliche Kraterboden ist hügelig und wellig, mit dem kleinen Krater Byrgius X auf einer der Hügelspitzen. Der Norden des Kraterbodens wird von dem Nebenkrater Byrgius E eingenommen, der auf dem Bild schwach erkennbar ist.
  • HL: Unterhalb von Byrgius finden wir ein besonders stark zerklüftetes, altes Hochland. Zwischen den Resten eines uralten Gebirges aus der Entstehungszeit des Mondes finden wir durch Einschläge geschaffene, später mit Lava geflutete Täler. Die Vielzahl alter Kraterruinen und zahlloser kleiner Einschläge ist hier so hoch, dass die komplexe Struktur noch nicht einmal unterschiedliche Eigennamen erhielt.