Eine nebelig-wolkige Nacht im Januar bot mit seiner sehr gleichförmigen Wolkendecke einen anschaulichen Eindruck von der enormen Lichtverschmutzung selbst über dem südlichen Bereich in Höhenlage von Pforzheim. Diese zeiget eindrucksvoll, wieviel Licht (und damit Energie und Geld) hier Nacht für Nacht sinnlos in Atmosphäre und Weltraum abgestrahlt werden. Dabei ginge es viel besser, wie das Beispiel unserer französischen Nachbarn zeigt:
- In weiten Teilen Frankreichs sank die Lichtabstrahlung (Radiance) zwischen 2022 und 2023 um 25,4 %. Frankreich gilt damit in diesem Zeitraum als weltweiter Vorreiter bei der Reduzierung künstlichen Lichts. Seit 2022/2023 haben viele französische Kommunen, darunter auch Paris und seine Vororte, die öffentliche Beleuchtung nachts komplett abgeschaltet oder deutlich gedimmt.
- Während die Lichtverschmutzung deutlich abnimmt, gibt es in Paris ähnliche Erfolge bei der Luftverschmutzung: Die Belastung durch Stickoxide sank bis 2025 um etwa 40 %, und Feinstaubwerte (PM2.5) gingen seit 2005 sogar um 55 % zurück.
Über die Folgen der Lichtverschmutzung für Mensch und Tier informiert der Nabu (Naturschutzbund Deutschland e. V.):
„Gute Lichtplanung kann Energieverbrauch, CO2-Ausstoß, Betriebskosten und Beeinträchtigungen der natürlichen Umgebung massiv reduzieren. Moderne Beleuchtungstechnik und Gestaltung des öffentlichen Raumes durch ein effizientes Lichtmanagement können die Lebensqualität positiv prägen, gleichzeitig werden Tiere aktiv geschützt. Wichtig ist, dass ökologisch unverzichtbare und natürlich dunkle Naturräume in der Stadt und auf dem Land unbedingt erhalten bleiben.
Von ökologischer Stadtbeleuchtung profitieren alle – das Klima, das Portemonnaie, die Menschen und die Natur. Doch davon sind wir in Deutschland weit entfernt. Jede dritte Straßenlaterne gehört ins Museum, weil ihre Lichttechnik bereits weit über 20 Jahre alt ist. So verschwendet die dringend modernisierungsbedürftige Beleuchtung von Straßen, Plätzen und Brücken in Deutschland jährlich drei bis vier Milliarden Kilowattstunden Strom – mehr als eine Million private Haushalte zusammen verbrauchen. Dabei haben bereits verschiedene Städte in Deutschland und Europa erfolgreich demonstriert, dass sich durch den Einsatz effizienter Leuchtmittel, moderner Lichttechnik und intelligenter Steuerungsgeräte der Energieverbrauch und die Kosten für die öffentliche Beleuchtung über 50 Prozent reduzieren lassen.
Jährlich sterben Milliarden von Insekten an Deutschlands Straßenlaternen – mit weitreichenden Folgen für ganze Ökosysteme. Nachtaktive Insekten werden durch Lichtquellen wie Straßenbeleuchtung und hell angestrahlte Häuserwände oder Werbeflächen massenhaft angelockt. Im Bann dieser Beleuchtung werden sie zur leichten Beute anderer Tiere oder sterben durch Kollision oder durch völlige Erschöpfung. Insekten gelangen häufig ins Leuchtgehäuse und verbrennen oder verhungern dort, weil sie den Weg zurück ins Freie nicht mehr finden. So fehlen Milliarden Bestäuber von Blütenpflanzen und als Glieder in der Nahrungskette.“
Tagaktive Tiere sowie Menschen brauchen die Dunkelheit zum Schlafen, Entspannen und Regenerieren. Dabei ist Dunkelheit notwendig, damit das Hormon Melatonin produziert werden kann, es scheint das Wachstum bestimmter Krebsarten zu unterdrücken. Übermäßige nächtliche Lichtexposition kann nicht nur zu Schlafstörungen führen, sie erhöht auch das Risiko für Erkrankungen wie z. B. Adipositas, Depressionen, Diabetes oder Krebs.
Eva Schernhammer vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien informiert über die schädlichen Auswirkungen der Lichtverschmutzung für den Menschen:
„Zu viel künstliches Licht in der Dunkelheit, so die Forschung, kann die zirkadiane Physiologie („Biorhythmus“) und damit jene Körperfunktionen beeinträchtigen, die durch den Wechsel zwischen Tag und Nacht getaktet werden. So werden z. B. der Schlaf oder die Produktion von Hormonen beeinträchtigt, was zu einer Reihe von chronischen Erkrankungen führen kann. Darüber hinaus bedeutet die übermäßige nächtliche Lichtexposition Stress für das visuelle System, was ebenfalls Auswirkungen auf den ganzen Körper haben kann. Denn selbst durch für Schlafende unbemerkte visuelle Reize können Prozesse in Gang setzen, die lebenswichtige Erholungs- und Reparaturmechanismen stören. Auch die Entstehung von Herz- Kreislauferkrankungen oder Krebs werden mit der Einwirkung von künstlichem Licht in der Nacht in Verbindung gebracht. Belegt ist etwa das erhöhte Krebsrisiko bei Menschen, die regelmäßig nachts arbeiten. Nächtliche Lichtexposition schwächt außerdem das Immunsystem und gilt als Risikofaktor für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Adipositas und Depressionen.“
Über die vermeintliche Sicherheit durch nächtliche Beleuchtungen informiert eine Zusammenfassung der Initiative gegen Lichtverschmutzung
„Straßenbeleuchtung dient der Verkehrssicherheit – oder?
Auf den Satellitenaufnahmen Europas (Quelle: DMSP – Defense Meteorological Satellite Program) ist Belgien mit am hellsten, wegen der beleuchteten Autobahnen. Ist das Land deswegen sicherer als andere? Die von Eurostat veröffentlichten Daten zu Verkehrstoten in Europa lassen das fraglich erscheinen: die Zahl der Verkehrstoten ist vergleichbar mit anderen mitteleuropäischen Ländern. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das wallonische Transportministerium in einer Studie: Trafic et sécurité sur les routes et autoroutes de Wallonie – Données et commentaires.
Straßenbeleuchtung bietet mehr Sicherheit vor Straftaten – oder?
Auch hier gibt es sehr unterschiedliche Statistiken, auch hier scheinen sie das Gegenteil zu belegen: an weniger beleuchteten Straßen werden weniger Straftaten begangen. Dass hell erleuchtete Straße nicht unbedingt mehr Sicherheit bedeutet, haben verschiedene umfangreiche Untersuchungen in England oder in den USA gezeigt:
- The Influence of Street Lighting on crime and fear, S. Atkins, S. Husain and A. Storey, CRIME PREVENTION UNIT PAPER NO. 28 (1991)
- Preventing crime: what works, what doesn’t, what’s promising – A report to the United States Congress, Prepared for the National Institute of Justice (ca. 1997)
- Outdoor Lighting and Crime, B.A.J. Clark, Australien
- House of Commons, Science and Technology Committee: Light Pollution and Astronomy, 7th Report of Session 2002-03 HC 747-I (Oct. 2003)
Die bislang umfangreichste Studie wurde als Auswertung des LANTERNS-Projektes veröffentlicht, das in England und Wales das Abschalten von Straßenbeleuchtungen in Kommunen begleitete (› Link ). Dazu wurden Straßen von 12 000 km mit Teilabschaltungen, 10 500 km mit Reduzierungen und 946 km mit Abschalten untersucht. Dort wurden 860 000 Unfälle, 580 000 Einbrüche 476 000 Diebstähle aus Autos und 730 000 Gewalttaten erfasst. Es konnten keine signifikanten Zusammenhänge mit dem Reduzieren oder Abschalten der Beleuchtung nachgewiesen werden!
In Großbritannien reduzieren immer mehr Kommunen aus finanziellen Gründen die Beleuchtung. › BBC
Oft wird nachts zwischen 1 und 5 Uhr abgeschaltet. Polizeistatistiken aus Bristol zeigen sogar, dass die Kriminalität in den Bezirken mit reduzierter Beleuchtung um 17 bis 50 % zurückgegangen ist.“
